Selbstständige und HR: Nur ein rechtliches Problem?

51 Prozent der Personalverantwortlichen rechnen damit, dass der Anteil an Selbstständigen in den Betrieben vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels steigen wird. Dennoch nimmt das HR-Management Selbstständigkeit fast ausschließlich unter dem Aspekt eines rechtlichen Risikos in den Blick. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Online-Umfrage der Recruitingplattform softgarden und der HR-Fachzeitschrift Personalmagazin, an der 141 HR-Manager und Manager mit Personalverantwortung teilgenommen haben.

Neue Organisationskonzepte in den Betrieben zielen darauf ab, die Unternehmen agiler und flexibler zu machen. Für die Entwicklung von Projekten oder zum Abfedern von Auftragsspitzen sind die Betriebe auf die Zusammenarbeit mit flexiblen Arbeitskräften angewiesen. Der Gesetzgeber hat mit der jüngsten Reform des Arbeitsnehmerüberlassungsgesetzes die Zusammenarbeit mit Zeitarbeitnehmern erschwert, so dass im Markt die Unsicherheit zugenommen hat, wie Betriebe mit flexiblen Ressourcen (Zeitarbeitnehmer, Solo-Selbstständigen) zusammenarbeiten können. Das betrifft insbesondere auch die Zusammenarbeit mit Solo-Selbstständigen, Wie blicken HR-Verantwortliche derzeit auf die Zusammenarbeit zwischen „Selbstständigen“ und „Angestellten“?

Positiver Blick auf Selbstständige

Zunächst fällt auf, dass die befragten HR-Verantwortlichen mehrheitlich durchaus positiv auf Selbstständige blicken. Geschätzt werden etwa die „Spezialisierung“ der Selbstständigen, ihre „Unabhängigkeit“ sowie ihr „unternehmerischer Blick“. 51% der befragten Unternehmen rechnet im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel mit einem Anstieg der Beauftragung von Selbständigen in ihrem Unternehmen.

Nur ein Teil der Workforce auf dem Radar von HR

In nicht einmal der Hälfte der befragten Unternehmen (44%) kümmert sich die Personalabteilung um Selbständige, in 56% der Unternehmen sind Selbstständige überhaupt ein Thema für das HR-Management. Meist beschäftigen sich diese Personaler zudem ausschließlich mit den rechtlichen Risiken, insbesondere der Frage nach Scheinselbstständigkeit. Eine ganzheitliche Gestaltung der Workforce kommt nicht in den Blick. Die flexiblen Ressourcen, zu denen neben Zeitarbeitnehmern auch die Selbstständigen gehören, werden häufig direkt von den Fachbereichen gesteuert. 65% der HR-Verantwortlichen geben an, keinen Überblick über den Einsatz von flexiblen Arbeitskräften zu haben.

Selbstständigkeit als arbeitsrechtliches Problem

Die Betriebsprüfer und Sozialversicherungsträger haben in jüngster Zeit ihre Kontrollen Richtung Scheinselbstständigkeit verstärkt. Darauf reagieren derzeit die Betriebe. Die meisten der befragten Unternehmen (97%) versuchen sich hier, in der einen oder anderen Form abzusichern. 64% haben Regelungen in den Verträgen mit Selbstständigen installiert, 43% setzen ausschließlich Selbstständige mit gesichertem Status ein und 35% beschränken ihre Einsatzdauer. Weitere 29 Prozent lassen nur eine Zuarbeit von Extern zu und stellen keinen Arbeitsplatz im Unternehmen zur Verfügung.

Anstieg der Selbstständigkeit?

In 37% der befragten Unternehmen hat sich der Umgang mit Selbstständigen in den vergangenen fünf Jahren verändert. Hintergrund ist meist eine Änderung der Gesetzeslage und gestiegene rechtliche Risiken in der Zusammenarbeit mit Selbstständigen. Die Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) vom April 2017 hat in der Wahrnehmung von 35% der befragten Unternehmen den Einsatz von Selbstständigen erschwert. Die ausführlichen Ergebnisse der Umfrage können Mitarbeiter aus Personalabteilungen kostenlos unter redaktion@personalmagazin.de bestellen.

Umfrage unter Bewerbern

Im Oktober hatten softgarden und das Personalmagazin die Ergebnisse einer gemeinsamen Umfrage unter 2.121 Bewerbern veröffentlicht. Sie zeigt, dass auch rund 56% der Bewerber mit einem Anstieg der Selbstständigkeit in Deutschland rechnet. 82% der Befragten liebäugeln im Lauf ihres Berufslebens mit dieser Alternative. Jedoch hielten es nur 36% der Befragten für wahrscheinlich, tatsächlich irgendwann selbstständig zu arbeiten. Als Nachteile der Selbständigkeit treten aus der Perspektive der Bewerber vor allem ein unsicheres Einkommen, schlecht eingrenzbare Arbeitszeiten sowie Steuerrisiken hervor. Geschätzt wird vor allem die „Freiheit“ der Selbstständigenexistenz, wohingegen das Angestelltendasein am ehesten mit dem Wort „Sicherheit“ verbunden wird. Die vollständigen Umfrageergebnisse stehen als E-Book zum kostenlosen Download zur Verfügung: https://www.softgarden.de/studien

In der Januarausgabe 2018 des Personalmagazins erscheint am 19.12.2017 ein ausführlicher Bericht über die Ergebnisse der beiden Befragungen.

Weitere Informationen zu softgarden sind im Lösungskatalog verfügbar.

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