„Private, Public oder Hybrid, das ist hier die Frage …?“ – Interview mit Michael Schimanski, PROGTECH GmbH, zur Wahl des richtigen Cloud-Betriebsmodells

Als ob es nicht genüge, dass das Thema Cloud Computing allein schon zu Unsicherheit auf Anwenderseite führt, sorgen die verschiedenen Betriebsmodelle Private Cloud, Public Cloud und Hybrid Cloud zusätzlich für Verwirrung und offene Fragen. Im Interview gibt Michael Schimanski, Geschäftsführer PROGTECH GmbH, einige Tipps für die Auswahl des richtigen Cloud-Betriebsmodells. Mit BAYERN BACKUP bietet das Unternehmen selbst einen Cloud Backup-Service an – und bietet seinen Kunden dabei ebenfalls die freie Auswahl zwischen Public Cloud, Private Cloud oder Hybrid Cloud.

Frage: Ohne zu tief in die technischen Details einzusteigen, können Sie uns kurz eine grobe Abgrenzung der drei Cloud-Betriebsmodelle vermitteln?

Schimanski: Ich werde es versuchen. Bei der Public Cloud wird ein Cloud Service (Infrastruktur, Plattform, Software) über das Internet an jeden angeboten, der diesen Service nutzen möchte. Die Anmeldung erfolgt in der Regel über eine entsprechende Webseite oder ein Online-Portal, die Abrechnung in regelmäßigen, nutzungsabhängigen Service-Gebühren. Der Betrieb des Cloud Services erfolgt zentral auf der IT-Infrastruktur des Service Providers oder dessen Infrastruktur-Partners. Im Gegensatz dazu wird eine Private Cloud für ein einzelnes Unternehmen eingerichtet, d.h. nur die Mitarbeiter eines Unternehmens können auf den Private Cloud Service zugreifen. Der Betrieb des Dienstes und der entsprechenden Plattform erfolgt ebenfalls bei einem externen Dienstleister, kann aber auch auf der IT-Infrastruktur des Anwenders erfolgen, sofern dieser über die entsprechenden Kapazitäten und Ressourcen verfügt. Die Hybrid Cloud ist letztendlich die Kombination aus Private Cloud und Public Cloud.

Frage: Wo liegen nun Ihrer Meinung nach die Vorteile, wo die Nachteile der einzelnen Betriebsmodelle aus Anwendersicht?

Schimanski: Lassen Sie mich zuerst auf die Public Cloud eingehen. Ein wichtiger Vorteil der Public Cloud ist sicher die relativ niedrige Einstiegshürde. Um einen Public Cloud Service zu nutzen, muss ich in der Regel nichts tun als mich auf der Webseite des Anbieters anmelden, meine Zahlungsdaten angeben, den gewünschten Service auswählen und ich kann loslegen. Darüber hinaus muss ich mich als Public Cloud-Anwender nicht um den Betrieb des Cloud Services kümmern, dafür sorgt der Public Cloud Anbieter. Nicht umsonst wird in diesem Bereich in Analogie zur Stromversorgung häufig von der „IT aus der Steckdose“ gesprochen. Ein weiterer Vorteil besteht in den in der Regel in den sehr günstigen, nutzungsabhängigen Service-Gebühren. Da der Public Cloud Provider sich nur einmal um den Betrieb seines Cloud Services kümmert, diesen dann aber möglichst vielen Anwendern zur Verfügung stellen kann, sind seine Betriebskosten natürlich niedriger als wenn er den Service für jeden einzelnen Anwender betreiben müsste. Ein weiterer Vorteil, der immer wieder genannt und von Anwendern auch bestätigt wird, ist die Flexibilität. Sollen weitere Mitarbeiter den Public Cloud Service nutzen, buche ich einfach eine entsprechende Anzahl von Benutzern zu, ich kann diese Benutzer aber auch wieder abbestellen. Damit werden meine IT-Kosten auch für mich als Anwender viel kalkulierbarer und entwickeln sich analog zu meinem Geschäftsbetrieb.

Allerdings bin ich als Public Cloud-Anwender nur „einer von vielen“ und habe deshalb wenig bis gar keinen Einfluss auf den Cloud Service selbst. Der kommt ja wie „Strom aus der Steckdose“. So lange dieser „Strom“ auch fließt, wird das auch kein Problem darstellen. Doch was ist, wenn der Strom auf einmal versiegt oder nicht in der vereinbarten oder benötigten Qualität geliefert wird? Ich kann also Anwendern von Public Cloud Services nur raten, sich nicht nur die Funktionalität des Services, sondern auch den Service Provider genauestens anzuschauen, damit es dann später kein böses Erwachen gibt.

Dabei kann dann auch der Standort des Anbieters eine Rolle spielen. Bei den meisten großen Public Cloud-Anbietern handelt es sich um internationale Unternehmen mit einem Netzwerk an Rechenzentren auf der ganzen Welt, um so ihre Betriebskosten zu optimieren. Im Problemfall wird es für mich als Anwender schwierig sein, den direkten Kontakt zum Hersteller herzustellen. Außerdem spielen der Standort des Rechenzentrums und damit der Verarbeitungsort meiner Daten auch eine Rolle in den Bereichen Datensicherheit und Datenschutz.

Frage: In der Private Cloud habe ich diese Probleme dann nicht?

Schimanski: Zumindest sind meine Einflussmöglichkeiten auf die Ausgestaltung des Services größer, denn die Private Cloud wird ja in der Regel speziell für mein Unternehmen eingerichtet. Unter Umständen kann diese Implementierung sogar bei mir im Unternehmen auf meiner bestehenden IT-Infrastruktur erfolgen. Der Service Provider kümmert sich dann lediglich darum, dass die von mir als Cloud Service bezogene Funktionalität (Backup, Anti-Spam, CRM-Software, etc.) meinen Mitarbeitern zur Verfügung gestellt wird – und zwar nur diesen. Für den Service Provider bedeutet dies, dass er, wenn er mehrere Kunden betreut – und das wird er in der Regel tun – jedem seine eigene Wolke einrichten und betreiben muss. Dies führt zwangsläufig zu höheren Betriebskosten beim Provider und damit auch höheren Kosten beim Anwenderunternehmen. Die Einstiegshürde ist damit höher als bei einem Public Cloud-Angebot. Darüber hinaus wird es notwendig sein, dass das Anwenderunternehmen über entsprechendes IT-Knowhow verfügt, um gemeinsam mit dem Service Provider die Private Cloud implementieren und betreiben zu können.

Was Datenschutz und Datensicherheit betrifft, habe ich natürlich bei einer Private Cloud im eigenen Unternehmen alle Zügel in der Hand, bin aber natürlich auch allein dafür verantwortlich. Bei der Auslagerung einer Private Cloud an einen externen Dienstleister habe ich in der Regel die Möglichkeit, zu bestimmen, wo meine Daten gespeichert werden.

Frage: Und die Hybrid Cloud verbindet dann das „Beste aus beiden Welten“

Schimanski: Dies wird häufig so kommuniziert, ist meiner Meinung nach aber zu allgemein formuliert. Für Hybrid Clouds gibt es ganz konkrete Anwendungsszenarien. Lassen Sie mich im Folgenden nur drei Beispiele kurz umreißen.

Viele Branchen wie der Handel, das Transportwesen oder das Hotel- und Gaststättengewerbe sind ganz besonders vom Saison-Geschäft abhängig. Denken Sie nur an das Weihnachtsgeschäft oder die Ferienzeiten. In diesen Zeiten ist es dann auch notwendig, höhere IT-Kapazitäten einzusetzen: Zur Bestellannahme, zur Abwicklung, zum Versand, etc. Anstatt wie bisher laufend in neue IT investieren zu müssen, um diese saisonalen Lastspitzen zu bewältigen, können Unternehmen nun eine Hybrid Cloud einsetzen: Mit niedrigeren, aber ausreichenden Private Cloud-Kapazitäten in der „normalen Zeit“, die sie dann in der „Hochsaison“ um zusätzliche Kapazitäten aus einer Public Cloud ergänzen – und nach Ende der Hochsaison wieder abbestellen.

Ein zweites Beispiel für einen Hybrid Cloud-Einsatz stammt aus der Forschung und Entwicklung. Sowohl interne Software-Entwicklungsabteilungen, aber auch Softwareunternehmen nutzen heute für Test- oder Demo-Zwecke neuer Anwendungen kostengünstige Public Cloud-Angebote, bevor sie die Anwendung dann im Produktivbetrieb in die Private Cloud übernehmen.

Und auch aus dem Backup-Bereich, in dem wir ja mit unserem BAYERN BACKUP Cloud Service aktiv sind, gibt es ein typisches Anwendungsbeispiel für eine Hybrid Cloud.
Viele Unternehmen möchten bzw. sind sogar dazu verpflichtet, eine Replikation ihrer Daten in einem zweiten räumlich getrennten Rechenzentrum sicher zu stellen. Die Daten können dann einmal über die Public Cloud im PROGTECH-Rechenzentrum und ein zweites Mal in einer Private Cloud im Rechenzentrum des Kunden gesichert werden.

Frage: Zum Abschluss vielleicht noch jeweils ein Tipp pro Bereitstellungsmodell für ein Endanwender-Unternehmen

Schimanski: Vor dem Einsatz eines Public Cloud Services auf jeden Fall auch den Anbieter überprüfen, inwieweit dieser in der Lage ist, den Public Cloud Service über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten. Darüber hinaus klären, wo die Daten gespeichert werden und ob dies mit den Datenschutzbestimmungen des eigenen Unternehmens vereinbar ist. Beim Private Cloud-Einsatz hat der Anwender mehr Kontrolle und Einflussmöglichkeiten, muss aber auch über das entsprechende IT-Knowhow und die entsprechenden Kapazitäten verfügen, um diese Kontrolle und diese Möglichkeiten auch auszunutzen. Für Hybrid Clouds gibt es in der Regel konkrete Einsatzszenarien, die gemeinsam mit dem Cloud Service Provider evaluiert und erörtert werden müssen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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